Leitfaden-Typ: Revier-Guide | Zuletzt aktualisiert: August 2026 | Saison: Mai – Oktober
Es gibt Buchten, die man mit dem Auto erreicht, und es gibt Buchten, zu denen es schlicht keine Straße gibt. Die zweite Kategorie ist der eigentliche Grund, warum man in Kroatien eine Yacht chartert statt ein Hotelzimmer zu buchen: Sie ankern dort, wo kein Bus hinfährt, kein Parkplatz wartet und kein Strandkiosk Musik spielt — nur Fels, Pinien und das Wasser, das so klar ist, dass der Anker vom Deck aus sichtbar bleibt, während er sinkt.
Dieser Guide sammelt die abgeschiedensten Ankerbuchten der kroatischen Adria — von den kargen Kornaten über die Südspitzen von Vis und Biševo bis zu den stillen Buchten Lastovos. Jede Bucht ist mit dem beantwortet, was für Sie beim Ankern zählt: Windschutz, Grund, Zufahrt und ob es einen Steg oder eine Konoba am Ufer gibt.
Auf einen Blick
| Bucht | Insel/Region | Schutz vor | Grund | Konoba/Steg |
|---|---|---|---|---|
| Stiniva | Vis | N/NW | Sand/Fels | Nein |
| Telaščica | Dugi Otok (NP) | fast alle Richtungen | Sand | Ja, saisonal |
| Lojena | Dugi Otok | N/NO | Sand | Nein |
| Škrivena Luka | Lastovo | fast alle Richtungen | Sand/Schlick | Ja |
| Saplunara | Mljet | N/NW | Sand | Ja, saisonal |
| Stomorska-Buchten | Šolta | W | Sand/Seegras | Ja |
| Vela Przina | Vis/Biševo-Route | S/SO | Sand | Nein |
| Ravni Žakan | Kornati (NP) | N/NO | Sand | Ja |
Was eine Bucht wirklich abgeschieden macht
Nicht jede leere Bucht auf der Karte ist auch in der Realität leer. Entscheidend sind drei Dinge: keine Straßenzufahrt (das hält Tagesausflügler vom Festland fern), Nationalpark- oder Naturpark-Status (begrenzt Bojen- und Ankerzahlen offiziell) und eine gewisse Distanz zu den großen Charterbasen Split und Dubrovnik. Buchten, die alle drei Kriterien erfüllen, sind auch im August nach 17 Uhr noch für sich.
Norddalmatien: Kornaten und Dugi Otok
Telaščica — die Bucht, die einen ganzen Naturpark umschließt
Telaščica an der Südspitze von Dugi Otok ist selbst ein Naturpark: eine 5 Kilometer lange, fjordartige Bucht mit mehreren Seitenarmen, umgeben von den bis zu 200 Meter hohen Klippen der Kornaten-Außenseite. Innerhalb der Bucht liegt zusätzlich der Salzsee Mir. Wer hier ankert, ist praktisch immer geschützt, egal aus welcher Richtung der Wind kommt.
Yacht-Zufahrt: Parktickets werden am Eingang der Bucht per Boot kassiert (saisonal, Mai–Oktober). Bojenfelder in den Seitenbuchten Mala Farska und Grpašćak. Ein einfaches Restaurant an der Landzunge bedient die wartenden Yachten.
Lojena Beach — Sandstrand ohne Straße
An der Westseite von Dugi Otok liegt Lojena: einer der wenigen echten Sandstrände Dalmatiens, nur vom Wasser oder über einen langen Wanderweg erreichbar. Die Bucht ist offen nach Westen, also nur bei stabilem Wetter und ablandigem Wind eine Option für die Nacht — tagsüber aber einer der schönsten Ankerplätze zum Baden im ganzen Revier.
Yacht-Zufahrt: Ankern auf Sandgrund in 4–6 Metern, kein Steg. Bei Mistral-Wetterlage meiden.
Ravni Žakan — Kornaten-Bojenfeld mit Konoba
Mitten im Kornati-Archipel bietet die Bucht von Ravni Žakan eines der bekanntesten Bojenfelder des Parks, direkt vor der Konoba Piccolo. Wer die kargen, baumlosen Kornati-Inseln in Ruhe erleben will, findet hier Schutz vor den meisten Windrichtungen und ein warmes Abendessen ohne Dinghi-Fahrt.
Yacht-Zufahrt: Bojenreservierung empfohlen in der Hochsaison, Parkticket erforderlich.
Mitteldalmatien: Vis, Biševo und Šolta
Stiniva — die berühmteste unter den abgeschiedenen
Stiniva an der Südküste von Vis gilt zu Recht als eine der spektakulärsten Buchten Kroatiens: Eine schmale Felsschlucht öffnet sich zu einem kreisrunden Kiesstrand, umgeben von senkrechten Klippen. Von Land kommt man nur über einen steilen Pfad — die Yacht ist der bequemste Zugang.
Yacht-Zufahrt: Die Einfahrt ist eng (unter 12 m Breite) und nur für kleinere Yachten und Tender geeignet; größere Schiffe ankern davor und tendern hinein. Nur bei ruhiger See und ohne Südwind anlaufen.
Vela Przina — die Bucht auf dem Weg zur Blauen Grotte
Auf der Route zwischen Vis und Biševo liegt Vela Przina, eine offene, südexponierte Bucht mit türkisfarbenem Wasser und kaum Infrastruktur — genau deshalb bleibt sie meist leer. Ideal als Mittagsstopp vor oder nach dem Besuch der Blauen Grotte auf Biševo.
Yacht-Zufahrt: Nur bei Nordwetterlage als Nachtanker geeignet, tagsüber unproblematisch.
Stomorska-Buchten — Šoltas ruhige Westseite
Während die Nordküste von Šolta auf dem Weg vieler Charterrouten liegt, bleiben die kleinen Buchten um Stomorska an der Westseite deutlich ruhiger. Mehrere benachbarte Einbuchtungen mit Kieferwald bis ans Wasser bieten Auswahl je nach Windrichtung.
Yacht-Zufahrt: Ankern auf Sand/Seegras-Mix, in Stomorska selbst auch Stegplätze mit Konobas.
Süddalmatien: Lastovo und Mljet
Škrivena Luka — Lastovos versteckter Naturhafen
Lastovo selbst ist bereits die am wenigsten besuchte bewohnte Insel Dalmatiens, und Škrivena Luka an der Südostküste ist ihre ruhigste Bucht: ein natürlicher, fast rundum geschützter Naturhafen mit Leuchtturm, ohne Durchgangsverkehr, da die Insel Naturpark-Status hat und der Bootstourismus bewusst klein gehalten wird.
Yacht-Zufahrt: Bojen und wenige Stegplätze vorhanden, eine einfache Konoba am Ufer. Guter Nachtanker bei fast jeder Wetterlage.
Saplunara — Mljets Sandstrand-Bucht im Süden
Am Südostzipfel von Mljet, außerhalb des Nationalparks und daher weniger überlaufen als die Salzseen im Westen, liegt Saplunara: zwei benachbarte Sandbuchten, von Pinienwald gerahmt. Die Anfahrt von den Hauptrouten Richtung Dubrovnik lohnt den kleinen Umweg.
Yacht-Zufahrt: Offen nach Süden/Südost — bei Jugo meiden, sonst ausgezeichneter Ankerplatz mit saisonaler Taverne.
Praktische Tipps zum Ankern in abgeschiedenen Buchten
- Früh ankommen: Auch die entlegensten Buchten füllen sich in der Hochsaison ab Mittag. Vor 11 Uhr da sein sichert den besten Platz.
- Vor- und Nachsaison bevorzugen: Juni und September bieten dieselben Buchten fast menschenleer, bei noch angenehmen Wassertemperaturen.
- Windvorhersage vor der Nacht prüfen: Viele dieser Buchten sind nur aus bestimmten Richtungen geschützt — ein Wechsel auf Jugo oder Bora kann eine ruhige Bucht über Nacht ungemütlich machen.
- Seegras respektieren: In Nationalparks wie Kornaten und Mljet ist Ankern auf Posidonia-Wiesen verboten oder gebührenpflichtig — Bojen nutzen, wo vorhanden.
- Auf Captain-Wissen setzen: Die wirklich stillen Buchten ändern sich je nach Saison und Wind. Ein erfahrener Charter-Captain kennt die aktuellen Geheimtipps abseits der Standardliste.
Buchten in eine Route einbauen
Einzelne abgeschiedene Buchten sind der Höhepunkt einer Charterwoche — die Kunst liegt darin, sie sinnvoll mit den Häfen und Restaurants dazwischen zu verbinden. Norddalmatien (Kornaten, Telaščica, Dugi Otok) lässt sich gut in einer Woche ab Šibenik erkunden; Mitteldalmatien (Vis, Biševo, Šolta) klassisch ab Split; der Süden (Lastovo, Mljet) passt am besten in eine Route zwischen Split und Dubrovnik oder in die 14-tägige Grand Voyage.
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Weiterführend auf Splendid.hr
- Die schönsten Ankerbuchten Kroatiens — der Überblicksguide zum Ankern in Kroatien
- Versteckte Strände Kroatiens
- Brijuni-Nationalpark: Segel-Guide
- Kroatische Inseln — der komplette Guide